vergessen

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ver|ges|sen [fɛɐ̯'gɛsn̩], vergisst, vergaß, vergessen:
1. <tr.; hat
a) aus dem Gedächtnis verlieren; nicht behalten, sich nicht merken können:
eine Telefonnummer vergessen; ich habe vergessen, was ich noch mitbringen wollte; sie hatte den Namen der Straße vergessen; <österr. auch itr.> er hat auf den Termin vergessen.
Syn.: nicht im Gedächtnis behalten, nicht im Kopf behalten.
b) nicht [mehr] an jmdn., etwas denken:
etwas sein Leben lang, sein Lebtag nicht vergessen [können]; ich habe vergessen, ihr zu schreiben; den Schlüssel vergessen (nicht daran denken, ihn einzustecken, mitzunehmen); sie hatten ihn längst vergessen (er war aus ihrer Erinnerung geschwunden); vergiss es; das, den kannst du vergessen (ugs.); ein vergessener (kaum noch bekannter) Schriftsteller.
Syn.: verbummeln (ugs.).
2. <+ sich> die Beherrschung verlieren:
in seinem Zorn vergaß er sich völlig; wie konntest du dich so weit vergessen, sie zu schlagen?
Syn.: ausflippen (ugs.), ausrasten (Jargon), die Fassung verlieren, die Nerven verlieren, durchdrehen (ugs.).

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ver|gẹs|sen 〈V. 270; hat
I 〈V. tr.; oberdt. a. V. intr.〉
1. etwas od. jmdn. \vergessen aus dem Gedächtnis verlieren, sich nicht mehr an etwas od. jmdn. erinnern
2. etwas \vergessen versehentlich liegen od. stehen lassen
● ich habe \vergessen, Geld mitzunehmen; ich habe \vergessen, was ich sagen wollte; du musst versuchen, das zu \vergessen; vergiss uns nicht! ● vergiss über dem Erzählen die Arbeit nicht!; er vergisst noch mal seinen Kopf 〈umg.; scherzh.〉; ich habe seinen Namen, seine Adresse \vergessen; ich habe meinen Schirm bei euch \vergessen ● das kannst du \vergessen! 〈umg.〉 das ist erledigt, das ist vorbei, daraus wird nichts; den kannst du \vergessen! 〈umg.〉 rechne nicht mit ihm ● ich vergesse leicht, schnell; dieses Ereignis, diesen Vorfall hatte ich schon völlig \vergessen ● auf etwas \vergessen 〈oberdt.〉 etwas (zu tun) vergessen; oh, das hab' ich ganz \vergessen! nicht zu \vergessen ... (bei Aufzählungen); mir gefällt an ihm seine Kollegialität, Offenheit und, nicht zu \vergessen, seine Liebe zu Kindern; das werde ich dir nie \vergessen! ich werde immer daran denken, dass du das getan hast; ich habe das Gelernte schon wieder \vergessen ● manche Werke dieses Schriftstellers sind heute \vergessen kennt man heute nicht mehr
II 〈V. refl.〉 sich \vergessen unüberlegt sein, einer Gefühlsaufwallung nachgeben ● wie konnte er sich so weit \vergessen, so etwas zu tun!
[<mhd. vergezzen <ahd. firgezzan; mit Vorsilbe ver-, die das Umkehren ins Gegenteil anzeigt, zu engl. get „bekommen, erhalten“ <got. bigitan „finden“ <germ. *get „erreichen, fassen“; Grundbedeutung also „aus dem (geistigen) Besitz verlieren“]

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ver|gẹs|sen <st. V.; hat [mhd. vergeʒʒen, ahd. firgeʒʒan, zu einem Verb mit der Bed. »fassen, ergreifen« u. eigtl. = aus dem (geistigen) Besitz verlieren]:
1. aus dem Gedächtnis verlieren; nicht behalten, sich nicht merken können:
die Hausnummer, das Datum, die Vokabeln v.;
ich habe seinen Namen vergessen;
ich habe vergessen, was ich sagen wollte.
2. nicht [mehr] an jmdn., etw. denken:
jmdn., etw. sein Leben lang, sein Lebtag nicht v. [können];
seinen Ärger, seine guten Vorsätze v.;
er wollte diese Frau, dieses Erlebnis so rasch wie möglich v.;
seine Umgebung, sich völlig v. (völlig versunken sein);
ich habe meinen Schirm im Zug vergessen (liegen lassen);
seine Schlüssel v. (nicht daran denken, sie einzustecken, mitzunehmen);
sie wird noch einmal ihren Kopf v. (ugs. scherzh.; lässt immer Dinge irgendwo liegen);
ich habe ganz, völlig vergessen, dass heute Sonntag ist;
(bei Aufzählungen:) gestern kamen Vater, Mutter und Großmutter, nicht zu v. Tante Erna;
Weihnachten war längst vergessen (lag schon weit zurück);
sie hatten über dem Erzählen ganz die Arbeit vergessen;
das vergisst man/das vergisst sich nicht so leicht;
vergiss dich selbst nicht! (fam.; nimm dir auch etwas [zu essen, zu trinken!]);
der Kummer war bald vergessen;
eine vergessene (heute unbekannte) Dichterin;
<auch ohne Akk.-Obj.:> in einer neuen Umgebung vergisst man leichter;
<mit Gen.-Obj.:> vergiss nicht deiner Pflichten! (veraltet, noch geh.; denke an deine Pflichten!);
<mit Präp.-Obj.:> er vergisst jedes Jahr auf/(seltener:) an ihren Geburtstag (südd., österr.; denkt nicht daran, zu gratulieren);
sie hatte völlig darauf vergessen (südd., österr.; nicht daran gedacht), dass ihr Sohn heute kommen wollte;
vergessen gehen (schweiz.; vergessen werden, in Vergessenheit geraten);
jmdm. etw. nie/nicht v. (jmdm. für sein Verhalten in einer bestimmten Situation immer dankbar bzw. böse sein);
etw. v. können (ugs.: 1. etw. vernachlässigen, sich etw. ersparen können [weil keine Aussicht auf Erfolg besteht, weil es wertlos, unbrauchbar ist o. Ä.]: den Mantel kannst du v., der ist bei dem Wetter viel zu warm. 2. mit etw. nicht rechnen können, etw. nicht zu erwarten brauchen: das neue Fahrrad kannst du v. – bei den Schulnoten!).
3. <v. + sich> die Beherrschung über sich selbst verlieren:
sich im Zorn völlig v.;
wie konntest du dich so weit v., ihn zu schlagen?

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Vergessen,
 
das Schwinden von Bewusstseinsinhalten, das ein absichtliches vollständiges oder teilweises Erinnern derselben verhindert. Vergessen ist grundsätzlich ein normaler Informationsverlust bei der Speicherung von Gedächtnisinhalten (Gedächtnis); es hängt v. a. von der seit dem Erlernen verstrichenen Zeit ab, wobei anfangs nach dem Erlernen relativ viel, später weniger dem Vergessen anheim fällt (Vergessenskurve). Zum Teil können vergessene Inhalte nach einer gewissen Zeit, angeregt durch ähnliche Inhalte, Assoziationen oder mit dem Vergessenen zusammenhängende Gedankenketten erneut ins Bewusstsein treten. Geeignete Maßnahmen (Mnemotechnik) können das Vergessen vermindern. Ursachen des Vergessens werden zum Teil im Verblassen von organischen Gedächtnisspuren, zum Teil in der Unterdrückung bestehender assoziativer Verknüpfungen durch neue gesehen. Mit zunehmendem Alter werden Neueindrücke bevorzugt vergessen, während die Erinnerungsbereitschaft für weit zurückliegende Eindrücke zunimmt. Bei Hirnschädigungen kann es zu abnorm gesteigerten Formen des Vergessens kommen (Gedächtnisstörungen); eine besondere, durch affektive Bedingungen bestimmte Form des Vergessens stellt die Verdrängung dar.

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1ver|gẹs|sen <st. V.; hat [mhd. vergeʒʒen, ahd. firgeʒʒan, zu einem Verb mit der Bed. „fassen, ergreifen“ u. eigtl. = aus dem (geistigen) Besitz verlieren]: 1. aus dem Gedächtnis verlieren; nicht behalten, sich nicht merken können: die Hausnummer, das Datum, die Vokabeln v.; ich habe seinen Namen vergessen; ich habe vergessen, was ich sagen wollte; <auch ohne Akk.-Obj.:> ich vergesse sehr leicht (habe ein schlechtes Gedächtnis). 2. nicht [mehr] an jmdn., etw. denken: jmdn., etw. sein Leben lang, sein Lebtag nicht v. [können]; seinen Ärger, seine guten Vorsätze v.; Angesichts der Nashörner vergisst er alle Würde und rettet sich durch einen Sprung (natur 9, 1991, 54); Dies nämlich war es, was ihn ... alle Vorsicht v. ... ließ (Maass, Gouffé 182); er wollte diese Frau, dieses Erlebnis so rasch wie möglich v.; seine Umgebung, sich völlig v. (völlig versunken sein); Es war etwas Besonderes an diesem Abend im Park ... Wir spielten miteinander und vergaßen alles andere (Thor [Übers.], Ich 1998); ich habe meinen Schirm im Zug vergessen (liegen lassen); seine Schlüssel v. (nicht daran denken, sie einzustecken, mitzunehmen); sie wird noch einmal ihren Kopf v. (ugs. scherzh.; lässt immer Dinge irgendwo liegen); ich habe ganz, völlig vergessen, dass heute Sonntag ist; (bei Aufzählungen:) gestern kamen Vater, Mutter und Großmutter, nicht zu v. Tante Erna; der Kummer war bald vergessen; sie glaubte sich vom Leben schon vergessen; Weihnachten war längst vergessen (lag schon weit zurück); sie hatten über dem Erzählen ganz die Arbeit vergessen; das vergisst man/das vergisst sich nicht so leicht; vergiss dich selbst nicht! (fam.; nimm dir auch etwas [zu essen, zu trinken!]); das kannst du v.! (ugs.; das ist jetzt nicht mehr aktuell; daraus wird nichts); Die üblichen Lokale, die lang geöffnet haben, kann ich v. Dort sitzen Bullen (Sobota, Minus-Mann 234); den Mantel kannst du v. (ugs.; er ist nicht mehr brauchbar); Schmalfilmer, die auf Video umsteigen wollen, sollten ... alles v., was sie ... mit der Filmkamera gelernt haben (Hörzu 9, 1981, 93); eine vergessene (heute unbekannte) Dichterin; <auch ohne Akk.-Obj.:> in einer neuen Umgebung vergisst man leichter; <mit Gen.-Obj.:> vergiss nicht deiner Pflichten! (veraltet, noch geh.; denke an deine Pflichten!); Er ... ermahne ihn noch einmal eindringlich, seines Schwurs nicht zu v. (Süskind, Parfum 140); <mit Präp.-Obj.:> er vergisst jedes Jahr auf/(seltener:) an ihren Geburtstag (österr., südd.; denkt nicht daran, zu gratulieren); sie hatte völlig darauf vergessen (südd., österr.; nicht daran gedacht), dass ihr Sohn heute kommen wollte; *jmdm. etw. nie/nicht v. (jmdm. für sein Verhalten in einer bestimmten Situation immer dankbar bzw. böse sein): und das vergesse ich ihm bis zur Rente nicht (Loest, Pistole 183); ∙ Könnt ich der Zeiten v., da sie mich liebte (Goethe, Egmont I); Jetzt vergaß ich meiner Würde (Rosegger, Waldbauernbub 143). 3. <v. + sich> die Beherrschung über sich selbst verlieren: sich im Zorn völlig v.; wie konntest du dich so weit v., ihn zu schlagen?; Denn nie durfte er sich v., nie aus der Fassung geraten (Reich-Ranicki, Th. Mann 33).
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2ver|gẹs|sen <Adj.> [eigtl. adj. 2. Part. von 1vergessen]: vergesslich: Wir aber müssten sehr undankbar, sehr v. sein, wenn wir uns nicht erinnerten, was wir der Regentin schuldig sind (Goethe, Egmont IV); Die Jugend ist v. aus geteilten Interessen; das Alter ist v. aus Mangel an Interessen (Goethe, Zahme Xenien V).

Universal-Lexikon. 2012.

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